Nun bin ich also auf „Heimaturlaub“ in Kiel, bevor
es im Januar in die heiße Prüfungsphase in Göteborg geht. Wie schön es ist, zu
Weihnachten nach Hause zu kommen! :-)
Nur: Wo ist denn hier die Weihnachtsstimmung? Wenn
meine durch die Weihnachtsstadt Göteborg nicht schon seit Mitte November so
gefestigt wäre, würde mir jetzt doch etwas fehlen.
Aber wer in Göteborg wohnt, kommt um echtes
Weihnachtsfeeling nicht herum, was mich zum Thema dieses Posts führt: Göteborg
ist die selbsternannte „Julstad“ (Weihnachtsstadt) Schwedens. Da kann selbst
Stockholm nicht mithalten, das habe ich selbst ausgetestet.
Los geht’s im November, wenn der große
Vergnügungspark Liseberg nach zweimonatiger Herbstpause seine Pforten wieder
öffnet und sich wie von Zauberhand in einen Riesenweihnachtsmarkt verwandelt
präsentiert. Abermillionen Lichter glitzern in den Bäumen, an den Häusern, in
den Fahrgeschäften und es gibt eine großartige Eislauf-Show, die alle
schwedischen Weihnachtsthemen auf humorvolle und recht amerikanisiert-kitschige
Art präsentiert. Dennoch ist sie großartig. Mir hat sie mit jedem Mal besser
gefallen. Zu Weihnachten ist ein bisschen Kitsch ja auch erlaubt. Und wenn
gerade keine Show auf der Eisbahn läuft, darf man sich selbst auf die Kufen
stellen und umgeben von Lisebergs Glitzerwelt ein Paar Runden auf dem Eis
drehen. Superschön, aber ein bisschen deprimierend zwischen all den Schweden,
die von Kindesbeinen an jeden Winter auf dem benachbarten zugefrorenen See
Eishockey gespielt haben und dementsprechend elegant dahingleiten, während man
selbst mit einer der bereitstehenden Kinderstützen liebäugelt, die noch nicht
mal die kleinsten Schweden benutzen…
Weil die meisten Fahrgeschäfte im Winter nicht
geöffnet sind, müssen die Besucher anders unterhalten werden. Deshalb gibt es
eine Mittelalter- und eine Lappland-Ecke, beide sehr liebevoll gestaltet und
sehenswert. Das Highlight für die Kleinen ist der Weg zum tomtefar
(Weihnachtsmann), der in seiner Wichtelwerkstadt thront und den Kindern ihre
Wunschlisten abnimmt. Hier kann man sich nicht nur mit dem schwedischen Weihnachtsmann
(der übrigens mit der tomtemor verheiratet ist) fotografieren lassen, sondern
auch seinen Helfern, den tomtenissar, dabei zusehen, wie sie Wunschzettel
beantworten und Geschenke produzieren und verpacken. Ein mit vielen liebevollen
Details gestalteter Augenschmaus für Groß und Klein.
Der Weihnachtsmarkt im Liseberg ist aber bei
weitem nicht Göteborgs einziger. Fast jeder Stadtteil hat seinen eigenen,
besonders gemütlich ist der im Szeneviertel Haga. Selbst auf einer Schäre wird
am Wochenende einer veranstaltet. Wobei das schwedische Verständnis von
Weihnachtsmarkt keinesfalls einen überfüllten Platz mit Fressbuden und
Gedrängel plus Glühweinleichen bedeutet. Drei Buden mit weihnachtlicher Deko,
aus denen Handarbeit und Glögg verkauft werden, können auch als Weihnachtsmarkt
bezeichnet werden. Den Glögg (Glühwein) gibt es in esspressotassengroßen
Becherchen und der Alkoholanteil an dem Schlückchen beträgt höchstens 2,1%.
Trotzdem kostet er drei Euro. Dafür ist er aber definitiv leckerer als
deutscher Glühwein.
Der Hauptgrund für Göteborgs Beinamen „Julstad“
ist jedoch die Weihnachtsbeleuchtung, die das winterliche Stadtbild prägt. Jede
Straße in der Innenstadt ist anders geschmückt, die Hochschule für Musik und
Tanz beschallt die umliegenden Straßen rund um die Uhr mit selbst aufgenommenem
Chorgesang und auf die Fassade der Kunsthalle wird eine beeindruckende
Lightshow projiziert. Obwohl diese Massenbeleuchtung Unmengen an Energie
verschlingen muss, wird sie auch in der tiefsten Nacht nicht ausgeschaltet.
Erster Höhepunkt der Vorweihnachtszeit war die
offizielle Lucia-Krönung am 6. Dezember. Ein Event, bei dem die diesjährige
Lichterkönigin gekrönt und die Weihnachtbeleuchtung der Stadt offiziell
angeschaltet wurde. Jedes Jahr wird betont, dass die Wahl zur Lucia keineswegs
ein Schönheitswettbewerb sei, sondern es einzig und alleine auf eine schöne
Gesangsstimme ankomme. Komischerweise ist die Lucia dann doch immer eine große,
blonde und hübsche junge Frau. Und singen kann sie auch.
Am richtigen Lucia-Tag, dem 13. Dezember, ist dann
sowieso jede Schwedin eine Lucia und läuft mit Kerzen oder Glitzerband im Haar
durch die Gegend. Wir Austauschstudenten haben natürlich das volle
Lucia-Programm mitgenommen. Weil wir gerade am Vortag aus Lapplands
Schneemassen heimgekehrt waren, waren wir auch in der richtigen
Weihnachtsstimmung. Also ging es morgens zum Luciamorgen in die Hagakyrka und
abends ab zum Götaplatsen, wo wir uns mit Glitzerband im Haar und Elektrokerze
in der Hand dem Luciazug zum Liseberg anschlossen. Ein schönes Erlebnis, das
definitiv zur Steigerung des Weihnachtsgefühls beitrug. Und das hält immer noch
an. Auch wenn das Wetter in Göteborg ähnlich wenig weihnachtlich wie hier.
Euch allen also ein Frohes Fest und einen guten
Rutsch in ein hoffentlich tolles Jahr 2014!
God jul
och gott nytt år!
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Jul på Liseberg! :) |
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Luciamorgon i Hagakyrkan |