Nun bin ich über zwei Wochen wieder in Deutschland
und allmählich habe ich mich hier auch wieder eingelebt. Ich habe festgestellt, dass sich hier nicht viel verändert hat, was einerseits schön
ist, andererseits aber auch irgendwie unerwartet. Dafür habe ich offenbar
einige schwedische Gewohnheiten mitgebracht, mit denen ich ab und zu lustige
Situationen erlebt habe, die ich euch nicht vorenthalten will, vor allem, weil
ich mir vorstellen kann, dass es einigen von meinen Göteborgern zurück in der
Heimat ähnlich ging.
Hier kommt also meine Liste mit 13 untrüglichen
Zeichen, an denen man erkennt, dass man ein bisschen zum
Schweden/Göteborger geworden ist:
1. Du begrüßt den Busfahrer beim Einsteigen
selbstverständlich mit einem fröhlichen „Hej!“ und verstehst nicht, warum er böse
guckt und sich offensichtlich angepöbelt fühlt. Auch Freunde und Familie gucken
verwirrt, wenn du dich mit „tack“ bedankst oder ab und zu ein melodisches „jahaaa“
von dir gibst.
2. Bevor es dir überhaupt passieren kann, dass du
den Busfahrer versehentlich anpöbelst, bekommst du an der Haltestelle Panik,
weil du vergessen hast, ein Ticket zu kaufen. Schon willst du es drauf ankommen
lassen und einfach so einsteigen, als dir einfällt, dass man hier ja Tickets
direkt beim Fahrer kaufen kann!
3. Wenn du mit dem Auto unterwegs bist, hast du
natürlich immer Münzen mit dabei, denn Parken ist ja – genau wie in Schweden –
nirgendwo umsonst. Am Parkscheinautomaten willst du in Jubel ausbrechen. Nur
2,10€ pro Stunde? Das ist ja nichts im Vergleich zu 40 SEK! Später erinnerst du dich an
Parkplatzsuchen vor deinem Schwedenaufenthalt, kannst dich nicht erinnern, jemals
so viel Geld in einen Parkscheinautomaten geworfen zu haben und bekommst
nachträglich Bauchschmerzen.
4. Überhaupt, der Blick ins Portemonnaie ist
irgendwie ungewohnt. Da kann es schon mal passieren, dass du den neuen
5-€-Schein für Spielgeld hältst. Oder für irgendwelche anderen skandinavischen
Kronen, die sich zwischen die deutschen Scheine verirrt haben.
5. Endlich wieder deutsches Brot! Doch erst einmal
herrscht Verwirrung, als du die Bäckerei betrittst. Wo zum Teufel haben die
denn den Kasten versteckt, der die Nummernzettel ausspuckt?
6. Jetzt ist die Zeit, viele Freunde
wiederzutreffen. Du schlägst ihnen per Whatsapp ein „Fika“ vor und wunderst
dich, warum keine Antwort kommt.
7. Der Samstagabend ist da und oh Schreck, der
Wein ist leer! Da hilft wohl alles nichts und du musst dich mit dem 2,1%-Cider
aus dem Supermarkt begnügen. Doch was ist das? Dort angekommen erinnerst du
dich an die Vorzüge deiner Heimat: Hochprozentiges gibt’s hier ja fast überall
und nicht nur im Systembolaget mit seinen eingeschränkten Öffnungszeiten!
8. Andere Öffnungszeiten bereiten dir jedoch Schwierigkeiten
und ab und zu eine unfreiwillige Sonntags-Diät. Wie entspannt man doch die
tägliche Essensplanung angehen konnte, als man noch sicher sein konnte, dass
sich in unmittelbarer Nähe ein Ica nära und ein Willys hemma befinden, die
täglich mindestens von 8-22h geöffnet haben!
9. Hast du zufällig die richtigen Tage und
Öffnungszeiten erwischt, stresst dich der Einkauf maßlos. Wo kommen denn die
vielen Menschen her? Und vor allem: Warum werden die Kassierer/innen eigentlich
gefeuert, wenn sie die eingescannte Ware nicht in Mordstempo über die ca. 30
Zentimeter lange Auffangfläche hinausschleudern und nach dem Bezahlvorgang
sofort die Einkäufe des nächsten Kunden in deine reinschieben? Du sehnst dich
zurück in den Olofs-Willys, wo drei Kunden gleichzeitig dank eines altmodischen
Kassen-Modells mit genügend Platz für einzupackende Ware völlig entspannt ihre
Einkäufe erledigen konnten.
10. Du stehst mitten im Supermarkt und findest
nicht, was du suchst. Während du nach einem Mitarbeiter Ausschau hältst,
überlegst du, ob du ihn gleich auf Englisch ansprichst, oder es auf Schwedisch
wagst. Gleichzeitig suchst du schon die passenden Vokabeln zusammen, ehe dir
einfällt, dass du dir umsonst den Kopf zerbrichst.
11. Die Fußgängerampel zeigt rot. Du guckst kurz,
ob Autos kommen. Ist dies nicht der Fall, gehst du selbstverständlich über die
Straße. Erst als du fast auf der anderen Seite angekommen bist, bemerkst du,
dass deine Mitmenschen dich feindselig anstarren oder der Autofahrer, der
gerade noch mit ungefährlicher Geschwindigkeit angetuckert kam, absichtlich
aufs Gas drückt, um dich zu belehren.
12. Du stellst das Radio an – und wunderst dich.
Es läuft nicht Miley Cyrus! Auch der nächste Song ist nicht von ihr. Der
übernächste auch nicht! Auch nicht von Pink oder Michael Jackson! Hier ist definitiv
was faul…
13. Anhand der noch schwedischen Spotify- und
Banner-Werbung auf deinem PC kannst du feststellen, dass der große Unbekannte,
der all die Informationen über dich und deine Internet-Aktivitäten sammelt,
doch nicht immer ganz up-to-date ist. Erst nach einigen Wochen bittet Spotify
dich, dein Heimatland im Account zu ändern. Offenbar würdest du dich im Ausland
aufhalten.