Montag, 10. Februar 2014

13 untrügliche Zeichen



Nun bin ich über zwei Wochen wieder in Deutschland und allmählich habe ich mich hier auch wieder eingelebt. Ich habe festgestellt, dass sich hier nicht viel verändert hat, was einerseits schön ist, andererseits aber auch irgendwie unerwartet. Dafür habe ich offenbar einige schwedische Gewohnheiten mitgebracht, mit denen ich ab und zu lustige Situationen erlebt habe, die ich euch nicht vorenthalten will, vor allem, weil ich mir vorstellen kann, dass es einigen von meinen Göteborgern zurück in der Heimat ähnlich ging.
Hier kommt also meine Liste mit 13 untrüglichen Zeichen, an denen man erkennt, dass man ein bisschen zum Schweden/Göteborger geworden ist:

1. Du begrüßt den Busfahrer beim Einsteigen selbstverständlich mit einem fröhlichen „Hej!“ und verstehst nicht, warum er böse guckt und sich offensichtlich angepöbelt fühlt. Auch Freunde und Familie gucken verwirrt, wenn du dich mit „tack“ bedankst oder ab und zu ein melodisches „jahaaa“ von dir gibst.

2. Bevor es dir überhaupt passieren kann, dass du den Busfahrer versehentlich anpöbelst, bekommst du an der Haltestelle Panik, weil du vergessen hast, ein Ticket zu kaufen. Schon willst du es drauf ankommen lassen und einfach so einsteigen, als dir einfällt, dass man hier ja Tickets direkt beim Fahrer kaufen kann!

3. Wenn du mit dem Auto unterwegs bist, hast du natürlich immer Münzen mit dabei, denn Parken ist ja – genau wie in Schweden – nirgendwo umsonst. Am Parkscheinautomaten willst du in Jubel ausbrechen. Nur 2,10€ pro Stunde? Das ist ja nichts im Vergleich zu  40 SEK! Später erinnerst du dich an Parkplatzsuchen vor deinem Schwedenaufenthalt, kannst dich nicht erinnern, jemals so viel Geld in einen Parkscheinautomaten geworfen zu haben und bekommst nachträglich Bauchschmerzen.

4. Überhaupt, der Blick ins Portemonnaie ist irgendwie ungewohnt. Da kann es schon mal passieren, dass du den neuen 5-€-Schein für Spielgeld hältst. Oder für irgendwelche anderen skandinavischen Kronen, die sich zwischen die deutschen Scheine verirrt haben.

5. Endlich wieder deutsches Brot! Doch erst einmal herrscht Verwirrung, als du die Bäckerei betrittst. Wo zum Teufel haben die denn den Kasten versteckt, der die Nummernzettel ausspuckt?

6. Jetzt ist die Zeit, viele Freunde wiederzutreffen. Du schlägst ihnen per Whatsapp ein „Fika“ vor und wunderst dich, warum keine Antwort kommt.

7. Der Samstagabend ist da und oh Schreck, der Wein ist leer! Da hilft wohl alles nichts und du musst dich mit dem 2,1%-Cider aus dem Supermarkt begnügen. Doch was ist das? Dort angekommen erinnerst du dich an die Vorzüge deiner Heimat: Hochprozentiges gibt’s hier ja fast überall und nicht nur im Systembolaget mit seinen eingeschränkten Öffnungszeiten!

8. Andere Öffnungszeiten bereiten dir jedoch Schwierigkeiten und ab und zu eine unfreiwillige Sonntags-Diät. Wie entspannt man doch die tägliche Essensplanung angehen konnte, als man noch sicher sein konnte, dass sich in unmittelbarer Nähe ein Ica nära und ein Willys hemma befinden, die täglich mindestens von 8-22h geöffnet haben!
9. Hast du zufällig die richtigen Tage und Öffnungszeiten erwischt, stresst dich der Einkauf maßlos. Wo kommen denn die vielen Menschen her? Und vor allem: Warum werden die Kassierer/innen eigentlich gefeuert, wenn sie die eingescannte Ware nicht in Mordstempo über die ca. 30 Zentimeter lange Auffangfläche hinausschleudern und nach dem Bezahlvorgang sofort die Einkäufe des nächsten Kunden in deine reinschieben? Du sehnst dich zurück in den Olofs-Willys, wo drei Kunden gleichzeitig dank eines altmodischen Kassen-Modells mit genügend Platz für einzupackende Ware völlig entspannt ihre Einkäufe erledigen konnten.

10. Du stehst mitten im Supermarkt und findest nicht, was du suchst. Während du nach einem Mitarbeiter Ausschau hältst, überlegst du, ob du ihn gleich auf Englisch ansprichst, oder es auf Schwedisch wagst. Gleichzeitig suchst du schon die passenden Vokabeln zusammen, ehe dir einfällt, dass du dir umsonst den Kopf zerbrichst.

11. Die Fußgängerampel zeigt rot. Du guckst kurz, ob Autos kommen. Ist dies nicht der Fall, gehst du selbstverständlich über die Straße. Erst als du fast auf der anderen Seite angekommen bist, bemerkst du, dass deine Mitmenschen dich feindselig anstarren oder der Autofahrer, der gerade noch mit ungefährlicher Geschwindigkeit angetuckert kam, absichtlich aufs Gas drückt, um dich zu belehren.

12. Du stellst das Radio an – und wunderst dich. Es läuft nicht Miley Cyrus! Auch der nächste Song ist nicht von ihr. Der übernächste auch nicht! Auch nicht von Pink oder Michael Jackson! Hier ist definitiv was faul…

13. Anhand der noch schwedischen Spotify- und Banner-Werbung auf deinem PC kannst du feststellen, dass der große Unbekannte, der all die Informationen über dich und deine Internet-Aktivitäten sammelt, doch nicht immer ganz up-to-date ist. Erst nach einigen Wochen bittet Spotify dich, dein Heimatland im Account zu ändern. Offenbar würdest du dich im Ausland aufhalten.

Sonntag, 2. Februar 2014

Das deutsche Haus in Dänemark

Eigentlich müsste ich diesen Blog allmählich mit einem rückblickenden Post auf meine Erasmus-Zeit beenden. Aber erstens wehrt sich in mir noch ziemlich viel dagegen, diese wunderbare Zeit offiziell als beendet zu erklären und zweitens habe ich auf meiner Rückreise, die für mich noch zu diesem Auslandsaufenthalt gehört, so vieles erlebt, das ich euch nicht vorenthalten möchte.
Es geht hier also noch ein bisschen weiter, auch wenn ich inzwischen wieder in Deutschland bin ;-)

Von meiner ersten EM-Woche in Kopenhagen konntet ihr ja schon im letzten Post lesen. Danach ging es aber erst so richtig los in Dänemark. Daran sind acht Kerle schuld, die für die Dauer des Turniers ein Ferienhaus in der Nähe von Silkeborg gemietet und mich dort herzlich aufgenommen haben. Sie nannten unsere WG "Das Deutsche Haus", was ich zunächst gewöhnungsbedürftig fand. Den Kern der Sache trifft dieser Name doch sehr gut. Schließlich waren wir eine Art deutsche Enklave in Dänemark und vermutlich die einzigen Journalisten, die angereist waren, obwohl die eigene Nationalmannschaft gar nicht qualifiziert war.

Trotzdem gab es genug zu tun, denn die vier größten Bundesligisten waren irgendwie auch in unserem Haus vertreten. Ruwen aus Flensburg, Nils aus Hamburg, Michael aus Mannheim und Wolf und ich aus Kiel hatten auch ohne deutsche Beteiligung am Turnier genug Spieler "unserer" Vereine zu beobachten.
Wir pendelten also täglich nach Herning oder Arhus, wo die Hauptrundenspiele stattfanden, sahen drei Spiele und kehrten nach getaner Arbeit meist nach Mitternacht in unser Domizil zurück. Natürlich durfte Handball nicht der einzige Tagesinhalt bleiben, weshalb ausgiebig Gebrauch von Tischtennisplatte, Billardtisch und Dartscheibe gemacht wurde, bevor es ins Bett ging. Ich lernte schnell, dass es bei Männern ohne Wettbewerb nicht geht. Also wurde ich bald zur Punktelieferantin im Tischtennis-Turnier und entwickelte mich beim Billard zur gefährlichen, weil unberechenbaren Gegnerin.
Nach ein paar Stunden Schlaf wurde morgens zum Frühstück Tennis geschaut, anschließend folgte ein Fußball-Match bei Eiseskälte. Je nach Haus- und somit Mannschaftskonstellation wurde ich als Schiedsrichterin, Fotografin oder Mitspielerin gebraucht. Wie gut, dass ich mit zwei kleinen Brüdern und einem fußballbegeisterten Vater aufgewachsen bin und mir schon früh im Garten Kick-Duelle geliefert habe!

Dekoration des Hauses

Ach ja, der Bundestrainer folgte der Einladung ins Deutsche Haus und lieferte uns Anlass zum Medien-Brunch

Dem Handball-Turnier fehlte in der Hauptrunde leider aufgrund mangelnder Überraschungen die Spannung. Doch am Horizont leuchtete für die Jungs ein Ereignis, das ihre Augen schon bei meiner Ankunft zum Glänzen gebracht hatte: Das Journalisten-Turnier! Nachdem die Jungs durchgeboxt hatten, als rein deutsche Mannschaft zu starten, damit Deutschland irgendwie doch bei dieser EM vertreten war, hatten sich auch die Franzosen dazu entschlossen, eine eigene Mannschaft zu stellen. Aus dem geplanten Dänemark gegen den Rest der Welt wurde eine kleine EM auf Journalistenebene, die am Halbfinaltag stattfinden sollte. Akribisch wurde sich vorbereitet und unsere wachsende Fangemeinde über Facebook auf dem Laufenden gehalten.

Am Tag des Großereignisses herrschte dann plötzlich Spielermangel in unserem Team. Der Ein- oder Andere hatte es sich doch noch anders überlegt. So kam ich völlig unerwartet zu meinem ersten Handballspiel. Debüt im EM-Halbfinale. Das erlebt auch nicht jeder.
Im Spielertunnel hatten wir die "echten" Franzosen getroffen, die vor uns trainiert hatten und es nun bedauerten, dass sie ins Hotel zurück mussten und uns nicht beim Versuch, Handball zu spielen, zusehen konnten. Immerhin gab es von Herrn Karabatic höchstpersönlich Tipps, wie wir unseren Halbfinalgegner Europa bezwingen könnten: "Einfach auf die Fresse!"
Vor 14000 leeren Sitzen in der Jyske Bank Boxen entwickelte sich unsere Chaoten-Truppe zu einer echten Turniermannschaft. Europa wurde ohne größere Probleme besiegt. Danach wartete Frankreich im Finale. Wie wir auch das Endspiel gewinnen konnten, ist eigentlich nicht zu erklären. Individuell waren die Franzosen definitiv stärker, immerhin gaben bei uns die Kieler Nachrichten geschlossen ihr Handball-Debüt.
Viel Zeit blieb nicht, um den Triumph zu feiern, denn die Profis wollten ja noch ihre Halbfinals austragen. Aus deutscher Perspektive waren wir jedoch die Mannschaft des Tages. Glückwünsche von Martin Heuberger, Ljubomir Vranjes und Viktor Szilagyi trudelten ein. Neu-DHB-Präsident Bernhard Bauer gratulierte höchst persönlich und auch das Presse-Echo blieb nicht aus.
Nach diesem Turnier-Höhepunkt konnte natürlich nicht mehr viel kommen. Klar, da war noch das richtige EM-Finale zwischen Dänemark und Frankreich. Doch das gestalteten die Franzosen so eindeutig, dass es schon fast wieder langweilig war.
Und schon war das Turnier vorbei und das Deutsche Haus verstreute sich in alle Richtungen. Allerdings nicht, ohne sich ein neues Ziel zu setzen: Medien-Weltmeister 2015 in Katar zu werden ;-)





Montag, 20. Januar 2014

Handball-EM in Dänemark

Ihr Lieben, heute melde ich mich aus dem dänischen Silkeborg. Das Semester in Göteborg war die Zeit meines Lebens. Nun ist es leider vorbei. Wenn ich daran denke, könnte ich heulen. Deshalb habe ich vorgesorgt: Um die Post-Erasmus-Depression herauszuzögern, nehme ich auf dem Rückweg nach Deutschland die Handball-EM in Dänemark mit. Während der Vorrundenspiele war ich als EHF-Nachwuchs-Reporterin in Kopenhagen im Einsatz. Eine tolle Erfahrung! Zusammen mit meiner Kollegin Claudia war ich in der Mixed-Zone, in Pressekonferenzen und rund um das Spielfeld unterwegs, um den Spielern lesenswerte Zitate zu entlocken und interessante Geschichten aufzutun. Chefin unseres "Dreamteams Copenhagen" war EHF-Reporterin Mie, die uns toll unterstützte, immer ein offenes Ohr hatte und vor allem unsere englischen Texte in eine veröffentlichenswerte Form brachte.
Besonders spannend war für mich, dass ich alle meine Sprachen bei der Arbeit anwenden konnte. Schweden, Kroatien, Montenegro und Weißrussland spielten in unserer Vorrundengruppe. Viele der Spieler, selbst die Schweden, trauten sich keine Interviews auf Englisch zu. Da war es praktisch, mit Schwedisch und Deutsch noch zwei Ausweichsprachen zur Verfügung haben. Besonders im Fall des kroatischen Stars Domagoj Duvnjak erwies sich das als praktisch. Viele schwedische Kollegen hatten darauf gebaut, dass der HSV-Mittelmann des Englischen mächtig sei und Geschichten um ihn, den größten Gegner der Schweden, geplant. Am Ende war ich also sozusagen zur persönlichen Dolmetscherin des Domagoj Duvnjak aufgestiegen.
Mitten im Handball-Trubel stand für mich dann aber noch ein Trip zurück nach Göteborg auf dem Programm. Eine letzte Klausur wollte geschrieben werden, das Zimmer geräumt und von den Glücklichen, die noch ein weiteres Semester dort studieren dürfen, musste ich mich auch noch verabschieden. 24 emotionale Stunden später saß ich wieder in der Bröndby Hallen, sah das Gruppen-Finale zwischen Schweden und Kroatien und nahm danach an der Hotelbar Abschied von unserem Dreamteam.
Am Morgen danach ging es mit dem Zug nach Silkeborg, wo ein weiteres Ablenkungsprogramm in Form des "Deutschen Hauses" auf mich wartete. Doch das hat einen eigenen Post verdient, der unter der Woche kommen wird. Bis dahin könnt ihr euch durch die EHF-Seite klicken, die EM von zu Hause aus genießen und vielleicht den ein oder anderen Blick auf diese Texte werfen :-)







Sonntag, 22. Dezember 2013

Julstaden Göteborg



Nun bin ich also auf „Heimaturlaub“ in Kiel, bevor es im Januar in die heiße Prüfungsphase in Göteborg geht. Wie schön es ist, zu Weihnachten nach Hause zu kommen! :-)
Nur: Wo ist denn hier die Weihnachtsstimmung? Wenn meine durch die Weihnachtsstadt Göteborg nicht schon seit Mitte November so gefestigt wäre, würde mir jetzt doch etwas fehlen.
Aber wer in Göteborg wohnt, kommt um echtes Weihnachtsfeeling nicht herum, was mich zum Thema dieses Posts führt: Göteborg ist die selbsternannte „Julstad“ (Weihnachtsstadt) Schwedens. Da kann selbst Stockholm nicht mithalten, das habe ich selbst ausgetestet.
Los geht’s im November, wenn der große Vergnügungspark Liseberg nach zweimonatiger Herbstpause seine Pforten wieder öffnet und sich wie von Zauberhand in einen Riesenweihnachtsmarkt verwandelt präsentiert. Abermillionen Lichter glitzern in den Bäumen, an den Häusern, in den Fahrgeschäften und es gibt eine großartige Eislauf-Show, die alle schwedischen Weihnachtsthemen auf humorvolle und recht amerikanisiert-kitschige Art präsentiert. Dennoch ist sie großartig. Mir hat sie mit jedem Mal besser gefallen. Zu Weihnachten ist ein bisschen Kitsch ja auch erlaubt. Und wenn gerade keine Show auf der Eisbahn läuft, darf man sich selbst auf die Kufen stellen und umgeben von Lisebergs Glitzerwelt ein Paar Runden auf dem Eis drehen. Superschön, aber ein bisschen deprimierend zwischen all den Schweden, die von Kindesbeinen an jeden Winter auf dem benachbarten zugefrorenen See Eishockey gespielt haben und dementsprechend elegant dahingleiten, während man selbst mit einer der bereitstehenden Kinderstützen liebäugelt, die noch nicht mal die kleinsten Schweden benutzen…
Weil die meisten Fahrgeschäfte im Winter nicht geöffnet sind, müssen die Besucher anders unterhalten werden. Deshalb gibt es eine Mittelalter- und eine Lappland-Ecke, beide sehr liebevoll gestaltet und sehenswert. Das Highlight für die Kleinen ist der Weg zum tomtefar (Weihnachtsmann), der in seiner Wichtelwerkstadt thront und den Kindern ihre Wunschlisten abnimmt. Hier kann man sich nicht nur mit dem schwedischen Weihnachtsmann (der übrigens mit der tomtemor verheiratet ist) fotografieren lassen, sondern auch seinen Helfern, den tomtenissar, dabei zusehen, wie sie Wunschzettel beantworten und Geschenke produzieren und verpacken. Ein mit vielen liebevollen Details gestalteter Augenschmaus für Groß und Klein.

Der Weihnachtsmarkt im Liseberg ist aber bei weitem nicht Göteborgs einziger. Fast jeder Stadtteil hat seinen eigenen, besonders gemütlich ist der im Szeneviertel Haga. Selbst auf einer Schäre wird am Wochenende einer veranstaltet. Wobei das schwedische Verständnis von Weihnachtsmarkt keinesfalls einen überfüllten Platz mit Fressbuden und Gedrängel plus Glühweinleichen bedeutet. Drei Buden mit weihnachtlicher Deko, aus denen Handarbeit und Glögg verkauft werden, können auch als Weihnachtsmarkt bezeichnet werden. Den Glögg (Glühwein) gibt es in esspressotassengroßen Becherchen und der Alkoholanteil an dem Schlückchen beträgt höchstens 2,1%. Trotzdem kostet er drei Euro. Dafür ist er aber definitiv leckerer als deutscher Glühwein.

Der Hauptgrund für Göteborgs Beinamen „Julstad“ ist jedoch die Weihnachtsbeleuchtung, die das winterliche Stadtbild prägt. Jede Straße in der Innenstadt ist anders geschmückt, die Hochschule für Musik und Tanz beschallt die umliegenden Straßen rund um die Uhr mit selbst aufgenommenem Chorgesang und auf die Fassade der Kunsthalle wird eine beeindruckende Lightshow projiziert. Obwohl diese Massenbeleuchtung Unmengen an Energie verschlingen muss, wird sie auch in der tiefsten Nacht nicht ausgeschaltet.
Erster Höhepunkt der Vorweihnachtszeit war die offizielle Lucia-Krönung am 6. Dezember. Ein Event, bei dem die diesjährige Lichterkönigin gekrönt und die Weihnachtbeleuchtung der Stadt offiziell angeschaltet wurde. Jedes Jahr wird betont, dass die Wahl zur Lucia keineswegs ein Schönheitswettbewerb sei, sondern es einzig und alleine auf eine schöne Gesangsstimme ankomme. Komischerweise ist die Lucia dann doch immer eine große, blonde und hübsche junge Frau. Und singen kann sie auch.
Am richtigen Lucia-Tag, dem 13. Dezember, ist dann sowieso jede Schwedin eine Lucia und läuft mit Kerzen oder Glitzerband im Haar durch die Gegend. Wir Austauschstudenten haben natürlich das volle Lucia-Programm mitgenommen. Weil wir gerade am Vortag aus Lapplands Schneemassen heimgekehrt waren, waren wir auch in der richtigen Weihnachtsstimmung. Also ging es morgens zum Luciamorgen in die Hagakyrka und abends ab zum Götaplatsen, wo wir uns mit Glitzerband im Haar und Elektrokerze in der Hand dem Luciazug zum Liseberg anschlossen. Ein schönes Erlebnis, das definitiv zur Steigerung des Weihnachtsgefühls beitrug. Und das hält immer noch an. Auch wenn das Wetter in Göteborg ähnlich wenig weihnachtlich wie hier.

Euch allen also ein Frohes Fest und einen guten Rutsch in ein hoffentlich tolles Jahr 2014!
God jul och gott nytt år!


Jul på Liseberg! :)
 
Luciamorgon i Hagakyrkan
 
 
 

Freitag, 13. Dezember 2013

Lappland: Sami-Zelt, Eishotel und Schnee im Überfluss

Ganz zu Beginn meines Auslandssemesters habe ich mir ganz fest vorgenommen, unbedingt einmal ganz in den Norden Schwedens zu reisen. Es war die erste Reise, die ich hier gebucht habe, nach Oslo, Arhus, Stockholm und Uppsala aber die letzte, die ich gemacht habe. Und sie war großartig!

Zugegeben, die An- und Abreise gehören nicht zu meinem Lieblingserlebnissen. Aber wer zu halbwegs humanen Preisen ganz in den Norden will, muss auch mal 24 Stunden im Bus auf sich nehmen.
Die erste Station unserer 50-köpfigen Reisegruppe war Kiruna. Genau die Stadt, die von ihrer Mine lebt, in der Eisenerz abgebaut wird. Die Stadt, die komplett umzieht, damit der Abbau noch ausgeweitet werden kann. Dort, wo Wohnhäuser und Kirche ab- und an anderer Stelle wieder aufgebaut werden und es keine Bürgerinitiative dagegeb gibt - weil alle Einwohner dafür sind. Schließlich ist die Mine Hauptarbeitgeber und die Betreibergesellschaft kauft allen Bürgern, die umziehen sollen, ihre Grundstücke ab.
Nach einer kleinen Stadtführung bei -20 Grad erkundeten wir die Umgebung noch ein bisschen auf eigene Faust - bis die Kälte uns zurück ins Hostel trieb. Einmal wagten wir uns jedoch noch heraus: Polarlicht-Alarm! In Kiruna offenbar eine Seltenheit, aber wir haben sie gesehen!

Die Kirche in Kiruna. Die Form ist der eines Sami-Zeltes nachempfunden.
So kalt, dass die Haare einfrieren!
Der Erzberg Kiirunavaara
Polarlicht!
 
Am nächsten Morgen ging es weiter. Zunächst nach Jukkasjärvi zum Eishotel. Als wir dort aus dem Bus stiegen, mussten wir erst einmal alle husten. Warum? Die Luft war irrsinnig kalt. Läppische -37 Grad, Kälterekord für Lappland in diesem Winter. So wurde der Besuch im Eishotel zu einem beeindruckenden, aber auch sehr kalten. Jedes Foto war eine Qual, musste man dafür doch mit nur einer dünnen Handschuh-Schicht auskommen.


Skål - die Eisbar










Nach einer kurzen Aufwärm-Fahrt im Bus kamen wir nach Rensjön, wo es ein Sami-Dorf gibt. Vermutlich leben Skandinaviens Ureinwohner dort nicht mehr von ihren Rentieren (die wir streicheln und füttern durften), sondern von sensationshungrigen Reisegruppen aus der Welt südlich des Polarkreises, die Natur und Menschheit in ihrer ursprünglichen Einheit erleben wollen. Also von uns. War aber nicht schlimm, sondern sehr gemütlich im Sami-Zelt, in dem wir uns ums Feuer versammelten und ein bisschen was über die Geschichte des Sami-Volkes hörten, Rentier-Fleisch und Reniter-Bouillon probierten und uns etwas aufwärmten.







Dann setzten wir unsere Fahrt nach Abisko fort, wo wir abends in einem überdimensionierten Sami-Zelt unsere Ica-Würstchen grillten und von Zeit zu Zeit Ausschau nach weiteren Polarlichtern hielten, die jedoch an diesem Abend nur ganz, ganz schwach zu sehen waren, denn inzwischen waren Schneewolken aufgezogen.



Die vermasselten uns dann auch unseren geplanten Narvik-Trip am nächsten Tag. Die Straße war gesperrt und wir gezwungen, uns selbst zu beschäftigten. Das taten wir mit einem Schneespaziergang, bevor es nachmittags in die Sauna ging. Die war 15 Minuten zu Fuß vom Hostel entfernt gelegen, direkt am Ufer des Torneträsk. Weil der noch nicht zugefroren war, mussten wir aufs Eisloch-Tauchen zur Abkühlung verzichten. Stattdessen stand Schneerollen auf dem Programm. Ein großer (kalter!) Spaß!







Um das Wetter-Register, das wir erleben sollten, komplett zu machen, regnete es am Tag unserer Abreise bei molligen 4 Grad plus, was die Heimfahrt natürlich nicht ungefährlicher machte. Also brachen wir eineinhalb Stunden vor dem eigentlichen Zeitplan und mit Schneeketten an den Reifen auf. Die Strecke bis Kiruna glich einer Eisfläche. Doch unser Busfahrer, mit allen Lappland-Wassern gewaschen, brachte uns nach einem weiteren Stopp am Norpolarkreis sicher zurück nach Göteborg. Die selbsternannte "Weihnachtsstadt" empfing uns mit nicht so weihnachtlichen 11 Grad. Fast wäre die in Lappland aufgekommene Weihnachtsstimung wieder verflogen gewesen. Fast. Aber heute ist ja Lucia, überall sind Weihnachtsmärkte und dann gibt es noch den weihnachtlichen Liseberg... Aber davon lest ihr im nächsten Post ;-)