Samstag, 31. August 2013

Welcome Week

In rasendem Tempo ist schon fast eine Woche verfolgen. Unsere Welcome-Week-Tage waren gut durchgeplant. Die Uni Göteborg bereitete uns Austauschstudenten einen wirklich warmen Empfang. Eine Info-Veranstaltung jagte die nächste, wir erfuhren, was wir wann und wie für unsere Studien organisieren müssen, wie man als Student am besten alles ausnutzen kann, was die Stadt zu bieten hat und wie man die Schweden und ihre Eigenheiten (angeblich) besser versteht. Zusätzlich wurden wir mit Info-Mappen, wichtigen Zetteln und Studentenrabatt-Karten (die sind hier auch nötig...) bombardiert, bekamen eine Stadtführung von der internationalen Studentenorganisation GISA und lernten so schnell ganz viele nette Leute kennen. Als schließlich die Oberbürgermeisterin rief, konnte man sich fast wie ein Staatsgast fühlen. Sie empfing uns in der alten Börse am Gustaf-Adolf-Platz, wo wir einmal mehr erfuhren, wie entspannt die Schweden sind. Nachdem wir mit leckeren Salaten verköstigt worden und mit einer kleinen Ansprache begrüßt worden waren, durften wir durch die Räumlichkeiten schlendern, als wären hunderte essende und Wein trinkende Studenten keine Gefahr für die teuren Teppiche, Polster und Möbel. Verrückt, wenn man bedenkt, dass in Deutschland in so einem Gebäude höchstens die Flure geöffnet wären und vor jedem Zimmer mindestens eine Absperrung, wenn nicht gar ein Wachmann wäre. Einziges Manko: Die Börse hat keinen Balkon, wie wir feststellen mussten, als wir uns ob der edlen Einrichtung so erhaben fühlten, dass wir den Wunsch verspürten, irgendwem von irgendwo hoheitlich zu winken...

Den Abschluss der Welome Week bildeten am Freitag die Begrüßungsveranstaltungen der einzelnen Fakultäten. Camilla, Erasmus-Koordinatorin vom Institut für Literatur, Ideengeschichte und Religion, hatte zum Frühstück geladen. Es stellte sich heraus, dass sie nur sechs Austauschstudenten zu betreuen hatte, und nur vier davon waren gekommen. Auch wenn die Skandinavistik in Kiel schon sehr familiär ist, Camilla übertraf alles, was ich an der Uni bisher erlebt hatte. Im Lehrerzimmer hatte sie ein Buffet aufgebaut und während wir noch warteten, bis wir vollzählig waren, zeigte sie uns die Küche, wo wir uns jederzeit Kaffee holen konnten. Dann starteten wir mit einer kleinen Vorstellungsrunde und während wir über unsere Studienfächer und Freizeitinteressen sprachen, zeigte sie uns auf einer Karte, wo wir in Göteborg Ski laufen, klettern, schwimmen, Volleyball spielen, Bootstouren und noch so manch Anderes machen können. Anschließend aktivierte sie mit uns gemeinsam unsere student accounts und begleitete uns bis zum Servicecenter, wo wir unsere Studentenausweise abholen konnten. Dann zeigte sie uns die Bibliothek und ermutigte uns, sie immer zu kontaktieren, wenn wir Fragen oder Probleme hätten - auch wenn wir krank würden, dann könne sie uns den richtigen Arzt empfehlen und dafür sorgen, dass wir dort auch angemessen behandelt würden.

Für dieses Welcome-Week-Programm hat sich die Uni jedenfalls mindestens fünf Sterne verdient. Wir alle haben uns hier sofort gut aufgehoben und willkommen gefühlt. Jetzt bin ich ganz gespannt auf Montag, wenn es ernst wird. Mal sehen, ob dann noch immer alle so freundlich sind, oder ob im Uni-Alltag doch andere Seiten aufgezogen werden. Ich halte euch auf dem Laufenden ;-)

Guided city tour - main building of GU

The city is the campus: New students of Chalmers/Handelshögskolan/GU - who knows - doing strange things in, around and with Poseidon at Götaplatsen.

Lord mayor knew what hungry students need :)

Börsen



Problems finding a residence? We woud move in...

Freitag, 30. August 2013

Hej Sverige!

Hier ist er, der erste Blog-Post aus Schweden! Hier ist alles toll, aber um von vorne zu beginnen starten wir mit der Anreise: Ich hatte mich für die Überfahrt mit der Stena Line entschieden. Das ist zwar teurer als der Zug, aber um einiges entspannter. Ich musste nur in Kiel auf's Schiff und in Göteborg wieder runter. Und es war Platz für mein ganzes Gepäck: ein Riesenkoffer, eine noch riesigere Reisetasche und ein mittelgroßer Trekking-Rucksack plus Handtasche im Großformat. Ich weiß bis heute nicht, warum es so viel war und vor allem so schwer. Koffer und Reisetasche hätten den Gepäckscanner beim Boarding buchstäblich gesprengt, also verzichteten die Security-Menschen darauf, es zu kontrollieren und fragten stattdessen ungläubig, ob ich denn auswandern wollte. Als ich fast schwankend ob dieser Lasten die Gangway hochkraxelte, trug ich zur Belustigung aller Stena-Mitarbeiter bei.
Auf den nächsten traf ich, als ich meine Koffer in den falschen Fahrstuhl aufs falsche Deck gewuchtet hatte, dort nun planlos stand und begriff, dass die Gänge zwischen den Kabinen zu schmal für mich und beide Taschen gleichzeitig waren. Doch Rettung nahte: Ein freundlicher Stena-Mann schnappte sich meinen Koffer und lotste mich zum richtigen Fahrstuhl und bis zu meiner Kabine. Kaum war mein Gepäck darin verstaut, bahnte sich die erste Konversation auf Schwedisch an: Ein Mann, der mit der ganzen Familie die Außenkabine gegenüber bewohnte und der offenbar dem günstigen deutschen Alkohol zugesprochen hatte, hatte seine schwedische Scheu verloren und fragte neugierig, ob er einmal einen Blick in eine Innenkabine werfen dürfe. Er wolle bloß sehen, wie groß die sei. Ich tat ihm den Gefallen und machte mich anschließend auf den Weg an Deck.
Nach viel Gewinke zum Abschied genoss ich das tolle Wetter an Deck und anschließend das All-You-Can-Eat-Buffet. Lecker! Beim Bummel durch die Ladenpassage löste sich schließlich von ganz alleine das einzige potentielle Problem, das ich noch hatte. Ein Stena-Mitarbeiter kam auf mich zu und fragte, ob ich die aus Kabine 10-609 sei, die mit dem vielen Gepäck. Dann versprach er, am nächste Morgen beim Tragen zu helfen. So wurde ich beim Einlaufen in den Göteborger Hafen an Deck von ihm und einer Kollegin eingesammelt und gemeinsam brachten sie mich und meine Koffer bis zum Fahrstuhl im Terminal - was für ein Service!
Auch der von der Uni organisierte Pick-Up-Service klappte super, auch wenn wir drei Austauschstudenten, die abgeholt werden sollten, unseren Chauffeur mit seinem verdunkelten Van zunächst für aus einem James-Bond-Film entsprungenen Agenten hielten. Doch er brachte uns sicher zum Office, wo wir unsere Mietverträge unterschrieben und die Schlüssel entgegennahmen. Nach drei Stunden Wartezeit ging es dann mit dem Bus weiter. Zwei Stunden kurvten wir durch ganz Göteborg, klapperten jedes Wohnheim ab und erreichten schließlich Olofshöjd, eine Studentensiedlung, wo ich mein Zimmer bezog. Ich hatte Glück, alles war einigermaßen sauber und es waren Nützliche Dinge wie Bettzeug und Mehrfachsteckdosen vorhanden. Nach einer kurzen Inspektion des Zimmers ging es dann aber sofort in die Stadt, die neue Heimat erkunden. Aber davon wann anders mehr, jetzt geht's erst einmal zur Einführungsveranstaltung der Literaturwissenschaftler. Bis bald! :-)

Auf geht's!