"Fika" ist ebensowenig wie "fick" (Präteritumsform von få = bekommen, dürfen, müssen...) oder "ficka" (Tasche) etwas Unanständiges. Es ist etwas so Selbstverständliches, dass manch einem von uns immer wieder entfällt, dass es in der Heimat Stirnrunzeln auslöst, wenn man erzählt, man habe zwei Stunden "fika" gemacht. Um wilden Gerüchten vorzubeugen, sei von vornherein geklärt, dass es sich bei der "Fika"-Tradition um völlig harmloses gemeinsames Kaffeetrinken handelt. Und das tun die Schweden immer und überall. Mit Freunden, Arbeitskollegen, in der Uni, morgens, mittags, abends und selbstverständlich auch nachts. Kaffee geht immer. Dazu gibt es wahlweise Zimtschnecken, Kladdkaka, Apfelkuchen oder sonstige Leckereien. Der schwedische "Fikawahn" geht sogar so weit, dass Dozentinnen auf Exkursion mitten auf einem mittalalterlichen Gerichtsplatz Thermoskannen der Größe eines Feuerlöschers aufstellen, damit jeder teilnehmende Student sein Recht auf "fika" wahrnehmen kann.
Auch der Unialltag (sofern es denn einen gibt, aber davon werde ich euch in einem späteren Post berichten) ist geprägt vom Kaffeeschmaus. In Deutschland habe ich es bisweilen erlebt, dass ein Dozent seine Vorlesung nach einer Dreiviertelstunde für fünf Minuten unterbrach, um Studenten mit kleiner Blase für den Klogang hinaus und frische Luft herein zu lassen. Auch hier dauert eine Sitzung 90 Minuten, die jedoch eine mindestens viertelstündige Fikapause enthalten.
Mein Schwedischkurs ist etwas länger, noch dazu am Abend. von 18-20.30h beschäftigen wir uns mit schwedischer Literatur. Das ist meist so kurzweilig, dass wir die Zeit vergessen. Alle bis auf unsere Dozentin. Die hat stets die Uhr im Blick. Um spätestens 19.15h unterbricht sie energisch jede noch so lebhafte Diskussion mit den Worten: "Hier müssen wir jetzt aber unbedingt eine Pause machen! Die Caféteria schließt in einer Viertelstunde und ihr müsst ja alle noch die Gelegenheit haben, euch einen Kaffee zu holen!"
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Touristen-Fika bei Ikea ;-) |